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    Snus verschluckt: Was passiert und was ist zu tun?

    Von Jean HinzLesezeit: 4 Minuten

    Kurz gesagt

    Bei Erwachsenen sind die Folgen eines verschluckten Beutels schwer vorherzusagen: Ein Teil des Nikotins wird in der Leber abgebaut, bevor es ins Blut gelangt, Daten gibt es nur aus Einzelfällen. Bei Kindern kann eine Nikotinvergiftung lebensbedrohlich werden. Rufen Sie bei Verdacht sofort den Giftnotruf an, bei Bewusstlosigkeit, Krampfanfall oder Atemnot die 112.

    Stand:
    Redaktionell geprüft:
    Quellen:
    13

    Giftnotrufe

    Bei Bewusstlosigkeit, Krampfanfall oder Atemnot immer zuerst 112.

    Notruf 112

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    Quellen der Nummern:

    Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Giftinformationszentren in Deutschland. 22.07.2026. Abgerufen am 4. Oktober 2026Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs (gesundheit.gv.at): Vergiftungsinformationszentrale. 23.02.2026. Abgerufen am 4. Oktober 2026Tox Info Suisse: Notruf 145. Abgerufen am 4. Oktober 2026

    Snus und Nikotinbeutel sind nicht zum Schlucken gedacht: Der Beutel bleibt unter der Lippe und wird nach dem Gebrauch herausgenommen.3 Was beim Verschlucken passiert, hängt von der Nikotinmenge und davon ab, wer ihn verschluckt. Allgemeines zu Wirkung und Nebenwirkungen steht unter Wirkung und Risiken.

    Was passiert, wenn man Snus verschluckt?

    Das Nikotin gelangt dann über Magen und Darm ins Blut statt über die Mundschleimhaut. Ein Teil der gelösten Inhaltsstoffe wird auch beim normalen Gebrauch mit dem Speichel geschluckt.3 Geschlucktes Nikotin wird teilweise in der Leber abgebaut, bevor es den Kreislauf erreicht. Bei oralen Produkten, deren Nikotin teils über die Schleimhaut und teils über den Magen aufgenommen wird, gelangen etwa 50 bis 80 Prozent in den Kreislauf.4 Wie viel Nikotin im Spiel ist, hängt stark vom Produkt ab: Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) maß 2,2 bis 56 mg pro Beutel.3 Auch benutzte Beutel enthalten noch viel Nikotin. In einer Studie hatten Beutel nach 20 Minuten im Mund nur 24 bis 52 Prozent ihres Nikotins abgegeben.5 Gehalte einzelner Produkte: Nikotingehalt.

    Was passiert bei Erwachsenen?

    Für Erwachsene gibt es kaum Daten, nur Einzelfälle. In einem vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) dokumentierten Fall verschluckte ein Erwachsener einen Beutel mit 20 mg Nikotin, erhielt vom Rettungsdienst Aktivkohle und hatte außer Bauchschmerzen keine Symptome.6 Ein Einzelfall lässt sich nicht verallgemeinern. Die früher genannte tödliche Dosis von 60 mg gilt als nicht belegt, nach Neubewertung wird für Erwachsene von mehr als 500 mg ausgegangen.78 Eine Entwarnung ist das nicht, denn den Giftinformationszentren wurden bereits Vergiftungen mit Nikotinbeuteln gemeldet.6 Wer nach dem Verschlucken Beschwerden hat oder im Zweifel ist, ruft den Giftnotruf an.

    Welche Symptome sind möglich?

    Typisch sind zuerst Übelkeit und Erbrechen. Das BfR beschreibt die Stufen einer Nikotinvergiftung so:7

    • leicht: Übelkeit, Erbrechen
    • bei höherer Aufnahme zusätzlich: Durchfall, verstärkter Speichelfluss, verlangsamter Herzschlag
    • schwer: Krampfanfälle, Atemdepression, also eine abgeflachte, unzureichende Atmung

    In Meldungen zu Nikotinbeuteln an die Giftinformationszentren standen Übelkeit, Erbrechen und kalter Schweiß im Vordergrund.6 Für Kinder, die Zigarettentabak verschluckt haben, nennt die Schweizer Giftinformation Tox Info Suisse häufig Übelkeit, Erbrechen und Brennen im Mund, seltener Blässe, schnellen Herzschlag, Schwitzen, Zittern, Teilnahmslosigkeit oder Unruhe. Sie betont, dass das nicht für andere nikotinhaltige Produkte gilt, die giftiger sein können.9

    Warum ist es für Kinder gefährlicher?

    Für Kinder lässt sich keine Nikotinmenge angeben, die ungefährlich wäre.7 Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) warnt, dass eine Nikotinvergiftung für Kinder lebensbedrohlich werden kann.2 Daten aus den USA zeigen das Ausmaß. Giftinformationszentren registrierten dort von 2010 bis 2023 insgesamt 134.663 Nikotin-Verschluckungen bei Kindern unter sechs Jahren, 76,2 Prozent davon bei Kindern unter zwei Jahren. Verschluckte Nikotinbeutel nahmen von 2020 bis 2023 um 763 Prozent zu. Sie führten 1,53-mal so häufig zu schweren Verläufen und 2,03-mal so häufig zu einer Krankenhausaufnahme wie andere Nikotinprodukte.10

    Wann Giftnotruf, wann 112?

    Bei Bewusstlosigkeit, Krampfanfall, Atemnot oder Kreislaufstillstand rufen Sie zuerst den Rettungsdienst unter 112. Führen Sie kein Erbrechen herbei.1 In allen anderen Fällen ist der Giftnotruf die richtige Stelle. Halten Sie für den Anruf bereit:1

    • Alter und Gewicht der betroffenen Person
    • das Produkt mit Nikotingehalt, wenn möglich die Dose
    • wie es aufgenommen wurde, etwa geschluckt oder gelutscht
    • die größtmögliche Menge und den Zeitpunkt
    • beobachtete Beschwerden

    Die Giftnotrufe in Deutschland sind rund um die Uhr erreichbar. Die Nummern bestehen meist aus der Vorwahl und 19240, Ausnahme ist Erfurt mit 0361 730730.11 In Österreich hilft die Vergiftungsinformationszentrale unter 01 406 43 4312, in der Schweiz Tox Info Suisse unter 145.1 Die Liste aller Giftnotrufe steht am Anfang dieser Seite.

    Wie lässt sich Verschlucken verhindern?

    Dosen und Beutel gehören außerhalb der Reichweite von Kindern.2 In den USA passierten 98,5 Prozent der Verschluckungen bei kleinen Kindern im Wohnumfeld.10 Das gilt auch für benutzte Beutel, denn sie enthalten noch einen großen Teil ihres Nikotins.5 Praktisch heißt das: Dosen verschlossen und für Kinder unerreichbar lagern, benutzte Beutel nicht offen liegen lassen und so entsorgen, dass Kinder und Tiere nicht herankommen. Belegte Daten zu Haustieren lagen für diese Seite nicht vor. Bei einem Tier ist die Tierarztpraxis oder der tierärztliche Notdienst die richtige Stelle.

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    Bei Bewusstlosigkeit, Krampfanfall oder Atemnot immer zuerst 112.

    Häufige Fragen

    4 Antworten
    Was passiert, wenn man Snus verschluckt?

    Das Nikotin gelangt über Magen und Darm ins Blut, ein Teil wird vorher in der Leber abgebaut. Bei Erwachsenen sind nur Einzelfälle dokumentiert, etwa ein verschluckter 20-mg-Beutel, der außer Bauchschmerzen keine Symptome auslöste. Möglich sind Übelkeit und Erbrechen, bei hohen Mengen schwere Vergiftungen. Im Zweifel den Giftnotruf anrufen.

    Ist ein verschluckter Nikotinbeutel für Kinder gefährlich?

    Ja. Eine Nikotinvergiftung kann für Kinder lebensbedrohlich werden, und für sie lässt sich keine ungefährliche Menge angeben. In den USA führten verschluckte Nikotinbeutel bei kleinen Kindern häufiger zu schweren Verläufen und Krankenhausaufnahmen als andere Nikotinprodukte. Rufen Sie sofort den Giftnotruf an, bei Bewusstlosigkeit, Krampfanfall oder Atemnot die 112.

    Soll man nach dem Verschlucken erbrechen?

    Nein. Führen Sie kein Erbrechen herbei, auch nicht bei Kindern. Rufen Sie stattdessen den Giftnotruf an und halten Sie Alter und Gewicht, das Produkt mit Nikotingehalt, die größtmögliche Menge, den Zeitpunkt und die Beschwerden bereit. Bei Bewusstlosigkeit, Krampfanfall oder Atemnot wählen Sie sofort die 112.

    Was passiert, wenn man den Saft von Snus schluckt?

    Das passiert bei jedem Gebrauch: Ein Teil der gelösten Inhaltsstoffe wird mit dem Speichel geschluckt und über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen, geschlucktes Nikotin wird teilweise in der Leber abgebaut. Übelkeit und Erbrechen sind erste Zeichen einer leichten Nikotinvergiftung. Dann den Beutel herausnehmen und bei stärkeren Beschwerden den Giftnotruf anrufen.

    Quellen

    13 Belege
    Alle 13 Belege anzeigen
    1. 1

      Tox Info Suisse

      Notruf 145

      Zu den Textstellen1234
    2. 2

      Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), rauchfrei-info.de

      Nikotinbeutel

      Zu den Textstellen123
    3. 3

      Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL)

      Nikotinbeutel und andere oral zu konsumierende Portionsbeutel

      Zu den Textstellen123
    4. 4

      Handbook of Experimental Pharmacology 192, 2009 (Benowitz NL, Hukkanen J, Jacob P)

      Nicotine chemistry, metabolism, kinetics and biomarkers

    5. 5

      Frontiers in Pharmacology 15 (Mallock-Ohnesorg N et al., BfR und LMU Klinikum München)

      Small pouches, but high nicotine doses: nicotine delivery and acute effects after use of tobacco-free nicotine pouches

      Zu den Textstellen12
    6. 6

      Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

      Gesundheitliche Bewertung von Nikotinbeuteln (Nikotinpouches), aktualisierte Stellungnahme Nr. 023/2022

      Zu den Textstellen123
    7. 7

      Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

      Vorläufige gesundheitliche Bewertung von Nikotinbeuteln (Nikotinpouches), Stellungnahme Nr. 027/2021

      Zu den Textstellen123
    8. 8
    9. 9

      Tox Info Suisse, aktualisiert Juni 2023

      Zigarettentabak

    10. 10

      Pediatrics 156(2), August 2025 (Olivas M, Hays HL, Kistamgari S et al.)

      Nicotine Ingestions Among Young Children: 2010-2023

      Zu den Textstellen12
    11. 11

      Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

      Giftinformationszentren in Deutschland

      Zur Textstelle
    12. 12

      Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs (gesundheit.gv.at)

      Vergiftungsinformationszentrale

      Zur Textstelle
    13. 13

      Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), rauchfrei-info.de

      Telefonberatung

    Änderungen: 1

    1. Erstfassung.

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