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    Was ist Snus?

    Von Jean HinzLesezeit: 6 Minuten

    Kurz gesagt

    Snus ist ein feuchter, fein gemahlener Tabak aus Schweden, der lose oder in kleinen Beuteln zwischen Zahnfleisch und Lippe gelegt wird. Das Nikotin gelangt über die Mundschleimhaut ins Blut; Snus wird weder geraucht noch gekaut. In Deutschland ist der Verkauf nach § 11 Tabakerzeugnisgesetz verboten. Umgangssprachlich heißen hier auch tabakfreie Nikotinbeutel Snus, fachlich ist das ungenau.

    Stand:
    Redaktionell geprüft:
    Quellen:
    14

    Was ist Snus?

    Snus ist ein Tabak zum oralen Gebrauch, auch Lutschtabak genannt. Er wird nicht geraucht und nicht gekaut, sondern im Mund gehalten, meist zwischen Zahnfleisch und Ober- oder Unterlippe. Der Speichel löst das Nikotin aus dem Tabak, aufgenommen wird es über die Mundschleimhaut.1 Snus stammt aus Schweden und ist vor allem in Skandinavien verbreitet. In Deutschland ist er der bekannteste Typ von Lutschtabak; andere Typen sind etwa Moist Snuff in Nordamerika oder Naswar in Pakistan und Afghanistan.1

    Rechtlich gehört Snus zu den Tabakerzeugnissen zum oralen Gebrauch. Die Tabakproduktrichtlinie der Europäischen Union (EU) fasst darunter alle Erzeugnisse, die ganz oder teilweise aus Tabak bestehen und als Pulver oder Granulat angeboten werden, insbesondere in Portionsbeuteln. Ausgenommen sind Erzeugnisse, die zum Kauen oder Inhalieren bestimmt sind.2 Der europäische Branchenverband der Hersteller rauchloser Tabakprodukte definiert Snus enger: als Produkt, das traditionell in Schweden hergestellt und verwendet wird und eine Wärmebehandlung durchläuft.3

    Was bedeutet Snus im deutschen Sprachgebrauch?

    In Deutschland ist „Snus“ oft ein Sammelwort für jeden Tabak, der unter die Lippe gelegt wird, und auch für tabakfreie Nikotinbeutel. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) hält diese Verwendung streng genommen für nicht korrekt, weil Snus nur ein Typ von Lutschtabak ist.1 Nikotinbeutel enthalten zwar Nikotin, aber keinen Tabak.4

    Snusguide verwendet „Snus“ deshalb nur für das tabakhaltige Produkt. Was Nikotinbeutel sind und worin sie sich unterscheiden, erklärt die Seite Nikotinbeutel.

    Snus, Nikotin­beutel, Kautabak und Schnupftabak

    Vier Produktgruppen werden oft verwechselt. Die Tabakproduktrichtlinie definiert Kautabak als rauchloses Tabakerzeugnis, das ausschließlich zum Kauen bestimmt ist, und Schnupftabak als rauchloses Tabakerzeugnis, das über die Nase konsumiert werden kann.2 Kautabak besteht nach dem Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) aus gesponnenen, stark aromatisierten Tabakblättern und wird heute nur noch selten benutzt; Schnupftabak wird in die Nase eingezogen.5

    Die Abgrenzung ist rechtlich entscheidend, denn Kautabak darf in Deutschland verkauft werden, Lutschtabak nicht. Nach dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) ist nur ein Erzeugnis Kautabak, das seine wesentlichen Inhaltsstoffe erst durch Kauen freisetzt. Ein Produkt, das nur im Mund gehalten werden muss, ist kein Kautabak. Trotzdem wird Lutschtabak in Deutschland häufig als Kautabak oder als „Chewing Bags“ deklariert angeboten.1

    Begriffe im Vergleich
    ProduktEnthält TabakGebrauchVerkauf in Deutschland
    Snus, lose
    ja
    kleine Portion mit den Fingern formen, unter die Lippe legen
    verboten
    Snus, portioniert
    ja
    Beutel direkt unter die Lippe legen
    verboten
    Nikotinbeutel
    nein
    Beutel unter die Oberlippe oder in die Wangentasche legen
    verboten
    Kautabak
    ja
    kauen
    erlaubt
    Schnupftabak
    ja
    durch die Nase einziehen
    fällt nicht unter das Verbot für Tabak zum oralen Gebrauch

    Wie sieht Snus aus?

    Loser Snus ist ein feuchter, gemahlener oder sehr fein geschnittener Tabak, je nach Sorte locker oder fester. Für den Gebrauch wird eine kleine Menge mit den Fingerspitzen geformt und leicht gepresst. Portionssnus steckt in kleinen, speicheldurchlässigen Beuteln aus Zellulose. Das LGL beschreibt drei übliche Größen: normale Beutel mit etwa 3,5 cm Länge und 1,8 cm Breite, schmalere „Slim“-Beutel mit etwa 1,4 cm Breite und „Mini“-Beutel mit etwa 2,6 cm Länge.1

    Feuchte Sorten färben den Beutel bräunlich, „Dry“-Varianten enthalten weniger Feuchtigkeit, ihr Beutel bleibt hell. Bei „All White“-Produkten ist der Inhalt weiß bis cremefarben, weil gebleichter Tabak oder nur sehr wenig Tabak verwendet wird.1 Ein weißer Beutel heißt also nicht, dass ein Produkt tabakfrei ist. Verkauft wird Snus in Dosen; in einem Verfahren vor dem Finanzgericht Düsseldorf ging es zum Beispiel um Dosen mit je 40 g losem Snus.6

    Was ist in Snus drin?

    Grundlage ist fein zerkleinerter Tabak, der meist mit Wasser, Feuchthaltemitteln, Salzen und Aromen versetzt wird.1 Eine Übersichtsarbeit von Mitarbeitenden des Herstellers Swedish Match nennt für schwedischen Snus luft- oder sonnengetrockneten Tabak, Wasser, Kochsalz, Natriumcarbonat, Feuchthaltemittel und Aromen; der Wassergehalt liegt demnach bei etwa 45 bis 60 Prozent. Kochsalz hemmt das Wachstum von Mikroben, Natriumcarbonat stabilisiert den pH-Wert.3

    Der pH-Wert entscheidet mit darüber, wie viel Nikotin ankommt. Nikotin passiert die Mundschleimhaut in saurer Umgebung nur schlecht, deshalb werden rauchlose Tabakprodukte basisch eingestellt.7

    Neben Nikotin enthalten rauchlose Tabakprodukte schädliche Stoffe, vor allem tabakspezifische Nitrosamine.5 Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) stuft rauchlosen Tabak als krebserzeugend für den Menschen ein.8 Für schwedischen Snus ist die Beweislage etwa beim Mundkrebs weniger eindeutig als bei anderen rauchlosen Produkten.9 Was zu Krebs, Herz und Kreislauf bekannt ist, steht auf der Seite Langzeitfolgen.

    Seit wann gibt es Snus?

    Schwedischer Snus entstand Anfang des 19. Jahrhunderts. Hergestellt wurde er aus gemahlenen Tabakblättern, Wasser, Salz und Pottasche. Bis Anfang der 1940er-Jahre war Snus in Schweden die vorherrschende Form des Tabakkonsums, in den 1930er-Jahren gewannen Zigaretten an Beliebtheit. Ab Ende der 1960er-Jahre ging das Rauchen in Schweden zurück, und Snus wurde wieder häufiger genutzt.3

    Von 1915 bis 1992 stellte im Wesentlichen ein einziges Unternehmen den schwedischen Snus her: zunächst das staatliche Tabakmonopol, später dessen Nachfolger bis hin zu Swedish Match. Seit 1971 unterliegt Snus in Schweden dem Lebensmittelrecht.3 Diese Angaben stammen aus der genannten Übersicht von Mitarbeitenden des Herstellers.

    In der übrigen EU ist Snus nicht erlaubt. Die Tabakproduktrichtlinie verpflichtet alle Mitgliedstaaten außer Schweden, das von Tabak zum oralen Gebrauch zu verbieten.2 Begründet wird das mit dem Risiko, dass solche Produkte Kinder und Jugendliche anziehen und früh abhängig machen.1 Der EuGH bestätigte das Verbot zuletzt 2018 als gültig.10

    Wie verbreitet ist Snus in Deutschland?

    Für tabakhaltigen Snus liegen uns keine aktuellen bundesweiten Konsumzahlen vor; die großen Erhebungen fragen nach Nikotinbeuteln. Nach der Drogenaffinitätsstudie 2025 des BIÖG haben 18,9 Prozent der 18- bis 25-Jährigen und 5,5 Prozent der 12- bis 17-Jährigen schon einmal Nikotinbeutel konsumiert.11 Über alle Altersgruppen von 14 bis 64 Jahren nutzten 2025 nach der Deutschen Befragung zum Rauchverhalten 0,1 Prozent Nikotinbeutel.12

    Dass Snus trotz Verbot angeboten wird, zeigen Kontrollen. Das LGL prüfte von Januar 2020 bis November 2025 insgesamt 144 tabakhaltige Produkte und stufte alle als verbotenen Tabak zum oralen Gebrauch ein. Fast die Hälfte war in Schweden hergestellt worden.1

    Der Verkauf ist verboten. § 11 Tabakerzeugnisgesetz untersagt, Tabakerzeugnisse zum oralen Gebrauch in den Verkehr zu bringen.13 Besitz und Verwendung verbietet das Gesetz dagegen nicht.14 Eine Bestellung im Ausland ist trotzdem kein legaler Ausweg: Das Finanzgericht Düsseldorf entschied 2013, damals noch nach dem Vorläufigen Tabakgesetz, dass der Zoll 16 Dosen losen Snus nicht herausgeben musste, die eine Privatperson in Schweden bestellt hatte.6 Alle Einzelheiten zu Besitz, Bestellung und Weitergabe stehen auf der Seite Ist Snus in Deutschland legal?; wie Snus verwendet wird, beschreibt die Seite Anwendung.

    Häufige Fragen

    6 Antworten
    Was ist Snus?

    Snus ist ein feuchter Lutschtabak aus Schweden. Er besteht aus fein gemahlenem Tabak mit Wasser, Salzen, Feuchthaltemitteln und Aromen und wird lose oder in kleinen Beuteln zwischen Zahnfleisch und Lippe gelegt. Das Nikotin wird über die Mundschleimhaut aufgenommen. Snus wird nicht geraucht und nicht gekaut. In Deutschland darf er nicht verkauft werden.

    Was bedeutet Snus?

    Snus bezeichnet einen feuchten Lutschtabak aus Schweden. In Deutschland wird das Wort oft auch für jeden anderen Tabak verwendet, der unter die Lippe gelegt wird, und für tabakfreie Nikotinbeutel. Das ist streng genommen nicht korrekt: Snus ist nur ein Typ von Tabak zum oralen Gebrauch, und Nikotinbeutel enthalten überhaupt keinen Tabak.

    Wie sieht Snus aus?

    Loser Snus ist ein feuchter, gemahlener Tabak, der in Dosen verkauft wird. Portionssnus steckt in kleinen Beuteln aus Zellulose, die meist etwa 3,5 cm lang und 1,8 cm breit sind; es gibt auch schmalere Slim- und kleinere Mini-Beutel. Feuchte Sorten färben den Beutel bräunlich. All-White-Sorten sehen weiß bis cremefarben aus und können trotzdem Tabak enthalten.

    Seit wann gibt es Snus?

    Schwedischer Snus entstand Anfang des 19. Jahrhunderts aus gemahlenen Tabakblättern, Wasser, Salz und Pottasche. Bis Anfang der 1940er-Jahre war er in Schweden die vorherrschende Form des Tabakkonsums, dann verdrängten ihn Zigaretten. Ab Ende der 1960er-Jahre wurde Snus in Schweden wieder häufiger genutzt. Diese Angaben stammen aus einer Übersicht von Mitarbeitenden des Herstellers Swedish Match.

    Was ist in Snus drin?

    Snus besteht aus fein zerkleinertem Tabak, Wasser, Salzen, Feuchthaltemitteln und Aromen. Bei schwedischem Snus sind das nach Herstellerangaben Kochsalz und Natriumcarbonat; der Wassergehalt liegt bei etwa 45 bis 60 Prozent. Natriumcarbonat stellt den pH-Wert so ein, dass Nikotin über die Mundschleimhaut aufgenommen werden kann. Wie andere rauchlose Tabakprodukte enthält Snus außerdem tabakspezifische Nitrosamine.

    Ist Snus Tabak?

    Ja. Snus besteht aus fein gemahlenem Tabak und fällt deshalb in Deutschland unter das Tabakerzeugnisgesetz, das den Verkauf von Tabak zum oralen Gebrauch verbietet. Tabakfreie Nikotinbeutel werden umgangssprachlich ebenfalls Snus genannt. Sie enthalten aber keinen Tabak, sondern Pflanzenfasern, Aromen und Nikotin, und fallen in Deutschland unter das Lebensmittelrecht.

    Quellen

    14 Belege
    Alle 14 Belege anzeigen
    1. 1

      Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL)

      Tabak zum oralen Gebrauch: Snus & Co. auf der Spur

      Zu den Textstellen123456789
    2. 2

      Europäisches Parlament und Rat der Europäischen Union (EUR-Lex)

      Richtlinie 2014/40/EU (Tabakproduktrichtlinie), Art. 2 und Art. 17

      Zu den Textstellen123
    3. 3

      Rutqvist LE, Curvall M, Hassler T, Ringberger T, Wahlberg I (Mitarbeitende von Swedish Match), Harm Reduction Journal

      Swedish snus and the GothiaTek standard, Harm Reduction Journal 8:11

      Zu den Textstellen1234
    4. 4

      Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL)

      Nikotinbeutel und andere oral zu konsumierende Portionsbeutel

      Zur Textstelle
    5. 5

      Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), rauchfrei-info.de

      Rauchlose Tabakprodukte

      Zu den Textstellen12
    6. 6

      Finanzgericht Düsseldorf

      Urteil vom 15.05.2013, 4 K 2021/12 VTa

      Zu den Textstellen12
    7. 7
    8. 8
    9. 9

      Wissenschaftlicher Ausschuss für neu auftretende und neu identifizierte Gesundheitsrisiken (SCENIHR), Europäische Kommission

      Health Effects of Smokeless Tobacco Products

      Zur Textstelle
    10. 10

      Gerichtshof der Europäischen Union

      Urteil vom 22.11.2018, C-151/17 (Swedish Match)

      Zur Textstelle
    11. 11
    12. 12

      Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (Starker A, Klosterhalfen S, Olderbak S, Kotz D, Orth B)

      Tabak- und Nikotinprodukte: Zahlen und Fakten zum Konsum, Jahrbuch Sucht 2026

    13. 13
    14. 14

    Änderungen: 1

    1. Erstfassung.

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